Neue Empfehlungen für den Umgang mit emotionalen und psychoonkologischen Bedürfnissen von Menschen mit Kopf-Hals-Karzinomen veröffentlicht

23 Apr, 2014, 08:00 BST von The European Head and Neck Cancer Society (EHNS)

BRÜSSEL, Belgien, April 23, 2014 /PRNewswire/ --

 

  • Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen leiden häufiger an psychischen Erkrankungen und psychischem Stress als andere Krebspatienten.
  • Praktische emotionale Unterstützung ist erforderlich, um Patienten dabei zu helfen, ihren Behandlungserfolg zu optimieren, indem sie klinische Auflagen befolgen und ihr Behandlungsregime einhalten.

Die European Head and Neck Cancer Society (EHNS) hat heute neue Empfehlungen für Richtlinien hinsichtlich der psychoonkologischen Aspekte von Kopf-Hals-Karzinomen veröffentlicht. Der online auf der Website Annals of Oncology erschienene Artikel bietet praktischen Rat für Ärzte für eine optimale Behandlung.

Kopf-Hals-Karzinome sind die weltweit sechsthäufigste Krebsart und töten in ganz Europa jährlich mehr als 132.000 Menschen.[1] Sie werden oft in einem späten Stadium diagnostiziert, in dem Heilbehandlungen nicht mehr zur Verfügung stehen oder häufig mit schweren Auswirkungen in der Nachbehandlung einhergehen. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit einem Kopf-Hals-Karzinom häufiger als andere Krebspatienten unter psychischen Erkrankungen und Belastungen leiden[2] und solche Patienten in den USA eine vierfach höhere Suizidwahrscheinlichkeit aufweisen als die allgemeine Bevölkerung.[3]

Behandlungen zur Entfernung von Tumoren aus dem Kopf- und Halsbereich können eine Entstellung des Gesichts, eine Einschränkung der körperlichen Funktionsfähigkeit sowie Sprach-, Ess- und Atemstörungen zur Folge haben. Diese Behandlungsfolgen sind für Patienten sehr belastend. Die neuen Empfehlungen, die von einer multidisziplinären Gruppe von Experten aus dem Gebiet der Kopf-Hals-Karzinome im Rahmen der EHNS-Kampagne Make Sense erstellt wurden, sollen mehr psychologische Unterstützung für Patienten in jeder Phase des Lebensweges mit der Krebserkrankung fördern.[1] Diese Unterstützung wäre hilfreich, damit Patienten die bestmöglichen Ergebnisse durch ihre Behandlung erhalten und sich letztendlich ihre Gesundheitsprognose verbessert.

"Chirurgische und therapeutische Fortschritte helfen Ärzten dabei, das Leben von Patienten mit Kopf-Hals-Karzinom zu verlängern", so Professor Jean Louis Lefebvre, Präsident der EHNS. "Allerdings sehen sich Ärzte jetzt der neuen Herausforderung gegenüber, Patienten eine angemessene psychologische Betreuung zu bieten, die Anpassungen in ihrem Leben vornehmen müssen, und das häufig mit beträchtlichen körperlichen und emotionalen Narben."

Professor René Leemans, Sekretär der EHNS, fügte hinzu: "Bei der Entwicklung dieser soliden Empfehlungen haben wir jede Phase des Weges des Krebspatienten ab dem Zeitpunkt der Diagnose bis zur Nachbehandlung untersucht und die besten Umgangsmethoden für medizinische Fachkräfte identifiziert, die an der Behandlung von Kopf-Hals-Karzinomen beteiligt sind. Wir sind zuversichtlich, dass medizinische Fachkräfte eine merkliche Verbesserung für das Leben von Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen herbeiführen können, wenn diese Richtlinien befolgt werden.

Die EHNS-Empfehlungen liefern Orientierungshilfen für medizinische Fachkräfte und weisen auf die verfügbaren Mittel hin, die ihnen zur Verfügung stehen, um sie in ihrer Rolle der Kommunikation medizinischer Informationen an Patienten zu unterstützen. Darüber hinaus werden die Reaktionsarten und die psychologischen Effekte erläutert, die bei Patienten zu erwarten sind, und wie am besten mit ihnen umzugehen ist.

Eine der zentralen Empfehlungen ist, dass jedem Patienten eine Kontaktperson zugewiesen werden sollte, um sie in allen Phasen ihres Weges zu begleiten. Diese Personen sollten praktische Unterstützung leisten (etwa zur Wahrnehmung von Krankenhausterminen ermutigen oder helfen, die Behandlung um den Alltag herum zu organisieren); Änderungen der psychischen Verfassung des Patienten überwachen; und sicherstellen, dass der Patient Zugang zu der Unterstützung hat, die er benötigt.

Diese Empfehlungen zielen darauf ab, medizinische Fachkräfte auf einfache und effektive Weise dabei zu unterstützen, Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten und letztendlich die Gesundheitsprognose von Patienten zu verbessern.

Um den vollständigen Artikel zu lesen, besuchen Sie bitte: http://annonc.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/mdu105?ijkey=UvUutbuOlX8zyWg&keytype=ref

Weitere Informationen erhalten Sie hier: http://www.makesensecampaign.eu.

Literaturhinweise  

  1. Reich M, Leemans CR et al. Best practices in the management of the psycho-oncologic aspects of head and neck cancer patients: Recommendations from the European Head and Neck Cancer Society Make Sense Campaign. Annals of Oncology 2014; doi: 10.1093/annonc/mdu105.
  2. Singer S, Krauss O, Keszte J et al. Predictors of emotional distress in patients with head and neck cancer. Head & Neck 2012; 34: 180-187.
  3. Zeller JL. High suicide risk found for patients with head and neck cancer. The Journal of the American Medical Association 2006; 296: 1716-1717.

Über die Kampagne "Make Sense"   

Die Kampagne "Make Sense" der European Head and Neck Society (EHNS) möchte Bewusstsein schaffen für Kopf-Hals-Karzinome und letztendlich die Gesundheitsprognosen von Patienten verbessern. Dies soll geschehen durch:

  • Aufklärung über Krankheitsvermeidung
  • Verbesserung des Verständnisses von den Anzeichen und Symptomen der Krankheit
  • Förderung von früheren Untersuchungen, Diagnosen und Überweisungen

Die "Make Sense"-Kampagne wird unterstützt von Merck Serono, der Abteilung für Biopharmazeutika von Merck, Boehringer Ingelheim und Transgene.

Über die EHNS  

Die European Head and Neck Society (EHNS) ist eine internationale gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Belgien. Die EHNS setzt sich aus Einzelpersonen, nationalen und multinationalen Gesellschaften sowie angeschlossenen Arbeitskreisen zusammen, die an der Erforschung von, der Weiterbildung zu und der Behandlung von Kopf-Hals-Karzinomen in ganz Europa beteiligt sind. Auch Einzelpersonen aus anderen Teilen der Welt sind willkommen, eine Mitgliedschaft zu beantragen. Es ist die Absicht der EHNS, den Wissensaustausch in allen Aspekten neoplastischer Kopf- und Halskrankheiten sowie höchste Standards für Forschung, Aufkärung, Weiterbildung, Krankheitsvermeidung und Patientenversorgung zu fördern.

Über Kopf-Hals-Karzinome
Kopf-Hals-Karzinome beschreibt alle Krebsarten, die im Kopf- und Halsbereich auftreten, mit Ausnahme der Augen, des Hirns und der Ohren. Sie beginnen häufig in den schuppenförmigen Zellen auf Schleimhäuten im Inneren von Kopf und Hals, beispielsweise in der Mundhöhle, in der Nase oder im Rachen.

Kopf-Hals-Karzinome sind die sechsthäufigste Krebsart in Europa.  Sie treten etwa halb so häufig auf wie Lungenkrebs, jedoch doppelt so häufig wie Gebärmutterhalskrebs. Im Jahr 2012 wurde in Europa bei 150.000 neuen Patienten ein Kopf-Hals-Karzinom diagnostiziert.  

Trotz der Schwere der Erkrankung und dem erhöhten Auftreten in der Gesellschaft ist wenig Bewusstsein für Kopf-Hals-Karzinome vorhanden und die Gesundheitsprognosen für Patienten sind weiterhin schlecht; 60 % der Menschen mit einem Kopf-Hals-Karzinom kommen mit einer lokal fortgeschrittenen Erkrankung zur Erstuntersuchung und 60 % der Menschen, bei denen die Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, sterben innerhalb von fünf Jahren an ihr. Allerdings haben Patienten, bei denen die Erkrankung in einem frühen Stadium diagnostiziert wurde, eine Überlebensrate von 80-90 %.

Obwohl die Wahrscheinlichkeit von Männern, ein Kopf-Hals-Karzinom zu entwickeln, zwei bis drei Mal höher ist als bei Frauen, nimmt die Häufigkeit unter Frauen zu. Kopf-Hals-Karzinome treten am häufigsten unter Menschen über 40 Jahren auf, doch in letzter Zeit hat die Häufigkeit unter jungen Menschen zugenommen.

Medienkontakte:
Fiona Walton
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QUELLE The European Head and Neck Cancer Society (EHNS)