
Markteinschätzung: Deutsche Bundesanleihen - Wird die EZB die Notenpresse anwerfen?
LONDON, November 25, 2011 /PRNewswire/ --
Von John Ventre, Portfolio Manager, Skandia Investment Group
Deutsche Bundesanleihen wurden von Investoren in den letzten Tagen massenhaft verkauft, nachdem bei einer Routineauktion der Papiere der Erfolg drastisch hinter den Erwartungen zurückblieb. Bislang waren Bundesanleihen jedoch einer der sicheren Häfen, den Investoren in der Eurokrise ansteuern konnten. Was ist also geschehen?
Nun: deutsche Bundesanleihen sind nicht so sicher wie sie erscheinen. Das Verhältnis von deutschen Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung liegt bei lediglich 87%. Berücksichtigt man allerdings, dass Deutschland möglicherweise erneut seinen Bank en zur Hilfe kommen muss, dann steigt der Anteil gefährlich steil an. Immerhin könnte eine erneute Bankenrettung nötig werden, sollte die Eurozone auseinanderbrechen. Ein Kollaps der Währungszone würde Deutschland ein massives Schuldenproblem aufbürden. So gesehen ist es nicht rational, sich mit deutschen Staatsanleihen gegen die Risiken der Eurokrise zu wappnen.
Letztlich erleidet damit auch Deutschland das Problem, das alle Euroländer betrifft: Es gibt keine letzte Instanz als Käufer für deutsche Staatsanleihen, wie es die Bundesbank zu Zeiten der Deutschen Mark gewesen wäre. Mit eben jenem Problem kämpfen derzeit auch Euroländer wie Italien, Frankreich oder Spanien, die ebenfalls keine souveränen Notenbanken mehr haben. Diese Rolle muss die Europäische Zentralbank (EZB) nun übernehmen. Ihre Aufgabe wäre es, durch massive Anleihenaufkäufe, im Volksmund "Geld drucken" genannt, die Risiken zu hoher Staatsschulden, etwa eine Deflation, abzufedern und die Eurostaaten damit solvent zu halten.
Der EZB die Zuständigkeit dafür zu geben, wäre das Patentrezept gegen die Krise. Bislang stemmt sich ausschließlich Deutschland dagegen, den Auftrag der Euro-Notenbank entsprechend zu ändern. Doch der Druck, der nun auch auf Bundesanleihen zu wirken beginnt, könnte diese Haltung ändern. Und wenn das passiert, dann sind wir näher als bisher gedacht an der Antwort auf die Krise, dem Aufkauf von Anleihen im großen Stil durch die EZB.
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