Dieser humanistische Ansatz entspricht ganz dem Geist von Desiderius Erasmus. In seinen Schriften ermutigte Erasmus die Menschen, Ungerechtigkeiten zu hinterfragen, ohne dabei das Mitgefühl und die Menschlichkeit aufzugeben. Steve McQueen setzt diese Tradition in visueller Form fort.
Steve McQueen wurde in London geboren und wuchs dort als Sohn eines Vaters aus Grenada und einer Mutter aus Trinidad auf. McQueen hat eine Karriere gemacht, in der er Kunst und Film miteinander verbindet. In den 1990er Jahren wurde er erstmals als bildender Künstler mit experimentellen Videoarbeiten wie Bear (1993) bekannt, die ohne Worte die intensive Anziehung und Aggression zwischen zwei Hauptfiguren zeigen. Seine Installationen und Filme waren von Anfang an von einer starken Bildsprache und einer tiefen Auseinandersetzung mit sozialen und politischen Realitäten geprägt. Sein Status als bahnbrechender Künstler wurde durch seine Ausstellungen in führenden Institutionen und durch die Verleihung des prestigeträchtigen Turner-Preises im Jahr 1999 bestätigt.
Im Jahr 2008 gab McQueen sein Debüt als Spielfilmregisseur mit Hunger, gefolgt von Shame (2011), 12 Years a Slave (2013), Widows (2018) und Blitz (2024). Geschickt malt er das Medium mit gleichmäßiger Hand und fordert das Publikum auf, nicht wegzuschauen, sondern in der Unbehaglichkeit zu verharren, die zum Nachdenken einlädt. Mit 12 Years a Slave, , der wahren Geschichte eines freien Mannes, der in die Sklaverei verkauft wurde, gewann er als erster schwarzer Filmemacher den Oscar für den besten Film.
McQueens Arbeit hat sich seitdem zu größeren Projekten ausgeweitet, die persönliche Erzählungen, kollektive Geschichte und immersive Formen miteinander verbinden. Sein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2023 Occupied City stellt die Amsterdamer Straßen als lebendige Erinnerung dar, indem er die Besetzung während des Krieges dem täglichen Leben während einer Pandemie gegenüberstellt. Die 34-stündige Version wurde kürzlich an der Fassade des Rijksmuseums Amsterdam gezeigt. In seinem neuen Werk Atlas (2026) lotet er die Grenzen von Raum, Perspektive, Erinnerung und Zeit aus.
In einer Welt, die von Polarisierung und Ungleichheit geprägt ist, fordert McQueen uns auf, genau und ohne Vorurteile hinzuschauen -ecce homo- und uns selbst in anderen zu erkennen. Für sein unermüdliches Engagement für den menschlichen Geist verleiht die Stiftung Praemium Erasmianum den Erasmus-Preis 2026 an Steve McQueen.
Der Erasmus-Preis wird jährlich an eine Person oder Institution verliehen, die einen außergewöhnlich wichtigen Beitrag im Bereich der Geisteswissenschaften und der Künste geleistet hat. Seine Majestät der König ist der Regent der Stiftung. Der Erasmus-Preis ist mit 150.000 € dotiert. Der Preis soll im Herbst 2026 verliehen werden.
Foto - https://mma.prnewswire.com/media/2943445/Praemium_Erasmianum_Foundation.jpg
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